Übersterb­lich­keit 2021

Gast­autor: Andy Pop­pen­berg

Danke für die freund­liche Erlaubnis von Andy Pop­pen­berg, diesen Bei­trag auch bei uns ver­öf­fent­li­chen zu dürfen, mit dem wir unseren Lesern einen alter­na­tiven Blick auf ein Thema ermög­li­chen wollen. Auf Grund­lage dieses Arti­kels ent­stand auch sein Video, auf­zu­finden unter https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​V​P​s​k​g​3​-​j​rHc.

Vor einem Jahr hab ich anhand der Ster­be­fall­zahlen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amtes gezeigt, dass es im Pan­de­mie­jahr 2020 keine außer­ge­wöhn­liche Übersterb­lich­keit gab, son­dern die Sterb­lich­keit im Bereich der nor­malen Schwan­kungen der Vor­jahre lag.[1] Der Durch­schnitt der jähr­li­chen Sterb­lich­keiten der Vor­pan­de­mie­jahre 2012 bis 2019 im Ver­gleich zu den jewei­ligen vier Vor­jahren liegt bei 3 %.

Es sterben also gerade jedes Jahr mehr Men­schen als in den Vor­jahren, da die gebur­ten­starken Jahr­gänge der 1940er Jahre jetzt ihre sta­tis­ti­sche Lebens­er­war­tung erreicht haben. Wenn es Jahr­gänge gibt, in denen beson­ders viele Kinder geboren werden, dann muss es 80 Jahre später auch Jahr­gänge geben, in denen beson­ders viele Men­schen ihr Lebens­ende errei­chen. Da wir also in einem posi­tiven Trend liegen, kann ein posi­tiver Wert nicht ohne wei­teres als außer­ge­wöhn­liche Übersterb­lich­keit bezeichnet werden.

© Andy Pog­gen­burg — Übersterblichkeit

Konnte die Unter­su­chung im letzten Jahr zeigen, dass es nach der alten, bis 2009 bestehenden Pan­de­mie­de­fi­ni­tion der WHO, die eine große Anzahl von Kranken und Toten erfor­derte, 2020 gar keine wirk­liche Pan­demie gegeben hat, so ist sie für 2021 zugleich eine Vali­die­rung der Ein­däm­mungs­maß­nahmen und ins­be­son­dere der Imp­fungen, die ja eine Über­las­tung des Gesund­heits­sys­tems und der Inten­siv­betten ver­hin­dern und Men­schen­leben retten sollten.

Beson­ders für die­je­nigen, die glauben, es hätte 2020 eine außer­ge­wöhn­lich hohe Übersterb­lich­keit gegeben und die staat­li­chen Maß­nahmen waren nötig, wirksam und ange­messen, um eine Wie­der­ho­lung dessen zu ver­hin­dern, sollte die Unter­su­chung der Sterb­lich­keit im Jahr 2021 als Prüf­stein für die Wirk­sam­keit der Maß­nahmen inter­es­sant sein. Denn 2021 gab es das gesamte Jahr hin­durch Ein­däm­mungs­maß­nahmen: es wurden Masken getragen, auch im Sommer und mit gestei­gerten Stan­dards, mehr Tests durch­ge­führt als je zuvor, Abstände gehalten und auf Kör­per­kon­takt ver­zichtet, Hände des­in­fi­ziert, Groß­ver­an­stal­tungen abge­sagt oder ver­klei­nert, es hingen in allen Ein­rich­tungen Ple­xi­glas­scheiben und es galten ver­schie­dene Aus­gangs­be­schrän­kungen. Vor allem aber waren bis zum Sommer bereits 50 %, bis zum Herbst 65 % aller Men­schen voll­ständig geimpft und damit vor einer Infek­tion oder zumin­dest einem schweren Ver­lauf, mithin dem Tod geschützt. Da muss es doch zwin­gend eine ganz nied­rige oder zumin­dest eine deut­lich gerin­gere Sterb­lich­keit als 2020 geben, als die Pan­demie noch neu, die Men­schen im Umgang mit den Maß­nahmen ungeübt und vor allem kom­plett unge­impft waren.

© Andy Pog­gen­burg — Übersterblichkeit

Im Jahr 2021 sind erst­malig über eine Mil­lion Men­schen in Deutsch­land gestorben, näm­lich nach Stand 1. März 2022 genau 1020981. Das sind 68.076 oder 7,14 % mehr als im Durch­schnitt der vier vor­her­ge­henden Jahre 2017 bis 2020. Damit wurde nicht nur der seit zehn Jahren bestehende Höchst­stand von 6,22 % im Jahr 2015, von dem wir 2020 noch weit ent­fernt waren, gebro­chen, son­dern auch die Sterb­lich­keit des Pan­de­mie­jahrs 2020 um 1,73 % über­troffen. Mit mehr als 4 % über dem Durch­schnitt der jähr­li­chen Sterb­lich­keiten der Vor­pan­de­mie­jahre kann man 2021 mit Recht als Rekord­jahr bezeichnen.

Aus den bloßen sta­tis­ti­schen Roh­daten kann man seriös nicht direkt auf die Ursa­chen dafür schließen. Sie müssen aber in dem ver­mutet werden, was 2021 anders war als 2020. Außer man ist Autor bei der „Zeit“, dann kann man das aus den bloßen Zahlen ganz genau errechnen.[2] Natür­lich ist die Pan­demie dran Schuld. Die vom RKI für 2021 gemel­deten 70000 Coro­na­toten ent­spre­chen etwa den im Ver­gleich zum Vor­pan­de­mie­jahr 2019 90000 mehr Gestor­benen minus der­je­nigen, die man aus demo­gra­fi­schen Gründen abziehen muss. Man finde ein­fach zwei ähn­liche Zahlen und schon hat man einen Kau­sal­zu­sam­men­hang. Sitzt, passt, sta­tis­tisch kom­plett gelöst, das Pro­blem. Für die „Zeit“ arbeiten eben nur die Besten.

Dass die Autoren der „Zeit“ das Jahr 2021 mit dem hin­sicht­lich der Sterb­lich­keit deut­lich unter­durch­schnitt­li­chen Jahr 2019 ver­glei­chen, hat den Zweck, eine mög­lichst große Stei­ge­rung der Zahlen zwi­schen Vor­pan­demie und Pan­demie prä­sen­tieren zu können. Man findet eben immer das, was man finden will, und ver­steckt damit das, was keiner sehen soll, näm­lich die enorme Zunahme der Toten 2021 im Ver­gleich zum direkten Vor­jahr 2020. In beiden Jahren gab es die Pan­demie, aber nicht in beiden die­selben Ein­däm­mungs­maß­nahmen. Wenn es laut RKI 2020 44000 Coro­na­tote gab und 2021 70000,[3] dann sind das doch 26000 Coro­na­tote mehr. Anstatt 2021 mit 2019 zu ver­glei­chen und die hohen Zahlen durch die Pan­demie zu erklären, hätten die „Zeit­au­toren“ die Stei­ge­rung inner­halb der Pan­demie und trotz der Ein­däm­mungs­maß­nahmen erklären müssen, die sie gar nicht erwähnen und so tun, als hätte es keine gegeben. Die Worte »Maß­nahmen«, »impfen« und »Imp­fung« kommen im Artikel gar nicht vor. Die alles ent­schei­dende Frage ist doch: wie konnte es 2021 eine so enorme Stei­ge­rung der Gesamt­sterb­lich­keit und der Coro­na­toten geben trotz der aus­ge­wei­teten staat­li­chen Maß­nahmen und ganz beson­ders trotz der Imp­fungen, die ja erst 2021 ihre Wir­kung ent­fal­teten und die den Zweck hatten und haben, Leben zu retten und Tote zu ver­hin­dern? Gerade in Bezug auf eine Impf­pflicht sollte man doch vorher eva­lu­iert haben, ob und welche Wir­kung diese Imp­fungen haben und in wel­chen Zusam­men­hang sie mit der gestei­gerten Sterb­lich­keit stehen. Aber wo ist die Behörde oder Insti­tu­tion, die das genau unter­sucht, die die Maß­nahmen vali­diert und prüft?

Gast­bei­träge geben immer die Mei­nung des Autors wider, und ermög­li­chen unseren Lesern unter­schied­liche Blick­winkel, um sich eine Mei­nung bilden bzw. Wissen erlangen zu können. 


[1] https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​z​a​x​8​x​g​L​e​ne8

[2]https://www.zeit.de/wissen/2022–01/sterbefallzahlen-2021-statistik-uebersterblichkeit-corona?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

[3] https://​www​.rki​.de/​D​E​/​C​o​n​t​e​n​t​/​I​n​f​A​Z​/​N​/​N​e​u​a​r​t​i​g​e​s​_​C​o​r​o​n​a​v​i​r​u​s​/​P​r​o​j​e​k​t​e​_​R​K​I​/​C​O​V​I​D​-​1​9​_​T​o​d​e​s​f​a​e​l​l​e​.​h​tml

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