LKW-Streiks: Kommt jetzt der Zusam­men­bruch der Lieferketten?

Ent­wick­lung der Diesel- und Benzinpreise

Laut Ben­zin­preis zeichnet sich für Diesel in Deutsch­land offenbar eine Preis-Sta­bi­li­sie­rung ab. Nachdem am 10.03.2022 der Die­sel­preis einen Höchst­stand bei durch­schnitt­lich 2,325 € je Liter erreichte, gibt es mitt­ler­weile einen zag­haften Abwärts­trend um 0,014 €. So lag der durch­schnitt­liche Die­sel­preis am 13.03.2022 bei 2,311 €. Am 14.03.2022 mussten durch­schnitt­lich 2,312 € je Liter Diesel bezahlt werden, der Wert liegt aber immer noch unter dem Höchst­wert vom 10.03.2022.

Am 11.02.2022 lag der Preis für Diesel noch durch­schnitt­lich bei 1,647 € je Liter, am 24.02.2022 — dem Tag der Inva­sion Russ­lands in die Ukraine — stieg der Die­sel­preis durch­schnitt­lich um 5,2 Cent und erreichte somit einen Wert von 1,699 € je Liter. Ab da nahm der Preis­an­stieg rasant Fahrt auf, um jetzt bei einem ein­ge­re­gelten Niveau von ca. 2,312 € zu liegen.

Preis­ent­wick­lung für Diesel (Stand 15.03.2022), https://​www​.ben​zin​preis​-aktuell​.de/​d​i​e​s​e​l​p​r​e​ise

Laut Ben­zin­preis zeichnet sich für Diesel in Deutsch­land offenbar eine Preis-Sta­bi­li­sie­rung für den 13.03.2022 durch­schnitt­lich auf 2,311 € ab. Am 10.03.2022 erreichte der Die­sel­preis einen Höchst­stand durch­schnitt­lich von 2,325 €, es gibt somit einen zag­haften Abwärts­trend um 0,014 €.

Am 11.02.2022 lag der Preis für Diesel laut Ben­zin­preis noch durch­schnitt­lich bei 1,647 €, am 24.02.2022 — dem Tag der Inva­sion Russ­lands in die Ukraine — lag der Die­sel­preis durch­schnitt­lich bei 1,699 €. Seitdem nahm die Preis­ent­wick­lung für Diesel rasant an Fahrt auf. 

Zum vor­he­rigen Wochen­ende (05/06.03.) sank der Preis für Benzin ab, am 05.03.2022 lag der Ben­zin­preis durch­schnitt­lich bei 1,856 € je Liter, um dann zum Wochen­start am 06.03.2022 auf 2,019 € je Liter zu klet­tern. Seitdem nahm auch die Preis­ent­wick­lung für Benzin Fahrt auf, um ent­spre­chend der Die­sel­preis­ent­wick­lung am 11.03.2022 einen Höchst­stand von durch­schnitt­lich 2.258 € je Liter zu erreichen. 

Preis­ent­wick­lung für Benzin (Stand 15.03.2022), https://​www​.ben​zin​preis​-aktuell​.de/​b​e​n​z​i​n​p​r​e​i​s​e​-​e​n​t​w​i​c​k​l​ung

Zum Wochen­start am 13.03.2022 blieb der Ben­zin­preis seit dem 10.03.2022 weit­ge­hend stabil. Er lag durch­schnitt­lich bei 2,256 €. Am 14.03.2022 mussten durch­schnitt­lich 2,259 € je Liter gezahlt werden. Der Preis stieg zag­haft um ca. 0,3 ct. je Liter.

Diesel- und Benzin-Preise schwanken je nach Region

Laut Ben­zin­preis kos­tete am 14.03.2022 um 14:00 Uhr in Bochum »der Liter Diesel [durch­schnitt­lich] … nur 2,23 Euro«, in Kiel »hin­gegen müssen ca. 2,37 Euro gezahlt werden«. Am 15.03.22 um 17:00 Uhr musste man an deut­schen Tank­stellen »rund 2,28 Euro für den Liter Diesel bezahlen«. In Köln »kos­tete der Liter Diesel« heute (Stand 17:00 Uhr) ca. 2,23 €, »in Trier hin­gegen müssen ca. 2,33 € gezahlt werden«.

Der Ben­zin­preis für die Kraft­stoff­sorte Super kos­tete am 14.03.2022 (Stand 14:00 Uhr) in Deutsch­land laut Ben­zin­preis durch­schnitt­lich 2,25 Euro pro Liter. Je nach Region musste ges­tern für den Liter Super unter­schied­lich viel bezahlt werden. In Ros­tock kos­tete der Liter Super nur 2,17 Euro, in Trier hin­gegen kos­tete der Liter gleich 18 ct mehr. Es müssen also unge­fähr 2,35 Euro gezahlt werden. Am 15.03.2022 um 17:00 Uhr musste man an deut­schen Tank­stellen 2,23 € je Liter bezahlen. Ben­zin­preis berich­tete heute, dass in Kassel »nur 2,16 Euro« bezahlt werden musste, in Trier hin­gegen mussten »unge­fähr 2,33 Euro gezahlt werden«.

Liegt es am Ölpreis?

Ein Blick auf die Charts zur Kurs­ent­wick­lung des Ölpreises bei Onvista zeigt, dass mit Beginn der Inva­sion Russ­lands in die Ukraine am 24.02.2022 sich auch der Ölpreis stark nach oben bewegt hat. Im letzten Monat lag das Minimum am 18.02.2022 bei 91,160 USD je Barrel, das Maximum lag am 08.03.2022 bei 131,300 USD (+44,30 %). Am 10.03.2022 lag der Ölpreis bei 118,070 USD, am 14.03.2022 bei 105,780 USD und am 15.03.2022 bei einem aktu­ellen Minimum von 98,290 USD (Stand 12:08 Uhr). 

Die Preis­re­duk­tion seit dem 08.03.2022 von immerhin 33,010 USD wird offenbar in Deutsch­land nicht wei­ter­ge­reicht.

Bild­quelle: Onvista — Preis­ent­wick­lung für Öl für einen Monat„ Stand 15.03.2022, https://​www​.onvista​.de/​r​o​h​s​t​o​f​f​e​/​d​b​-​O​e​l​p​r​e​i​s​-​B​r​e​n​t​-​2​6​2​6​2​975

Ein Blick auf die Kurs­ent­wick­lung für einen Zeit­raum von einem Jahr offen­bart, dass der Ölpreis nicht erst seit der Inva­sion Russ­lands in die Ukraine einen Auf­wärts­trend zeigt. 

Die Inva­sion Russ­lands in die Ukraine stellt sich ledig­lich als einen kurzen Peak dar, in dem tem­porär ein Mehr­be­darf gedeckt wurde, der ent­weder direkt mit den Kriegs­hand­lungen in der Ukraine in Zusam­men­hang steht bzw. mit einer ver­mehrten Vor­rats­hal­tung von Heizöl. Immerhin wurde oft genug den Bür­gern Angst gemacht, dass die Ener­gie­preise zum einen steigen würden und sie dem­nächst frieren müssten, zumal Sank­tionen gegen Russ­land bzw. Russ­land gegen uns im Raume standen. 

Bereits seit dem 23.08.2021 und dann ab dem 21.12.2021 auf einem höheren Niveau nahm die Preis­ent­wick­lung nach oben bereits voll­ends Fahrt auf. Der Krieg in der Ukraine als Erklä­rung für die hohen Ener­gie­preise wird somit offen­sicht­lich will­kür­lich genutzt, um von den (welt­weiten) wirt­schaft­li­chen Ver­wer­fungen der letzten zwei Jahre auf­grund einer desas­trösen (welt­weiten) Maß­nahmen-Politik »gegen Covid-19« und einer in Deutsch­land orches­trierten kos­ten­in­ten­siven »Kli­ma­po­litik« abzulenken.

Bild­quelle: Onvista — Preis­ent­wick­lung für Öl für ein Jahr, https://​www​.onvista​.de/​r​o​h​s​t​o​f​f​e​/​d​b​-​O​e​l​p​r​e​i​s​-​B​r​e​n​t​-​2​6​2​6​2​975

Diesel teurer als Benzin

Auf­fällig ist, dass Diesel der­zeit teurer als Benzin ist. Auch Redak­teur Thomas Becker von MDR Thü­ringen (siehe hier) ist dies auf­ge­fallen. Er gibt seinen Lesern aber beleh­rend an die Hand, sich nicht zu beklagen, da »wir in Deutsch­land mit einem Durch­schnitts­ein­kommen von rund 40.000 Euro pro Jahr aktuell unsere 2 Euro plus x für den Liter Sprit bezahlen«, der­weil »das Ein­kommen in Polen im Durch­schnitt bei 13.000 Euro« liegt. »Zahlen die nur ein Drittel unseres Sprit­preises? Nein! In Russ­land sind es nicht einmal 10.000 Euro Ver­dienst im Jahr und Liter­preise von um die 50 Cent.« Das Ver­hältnis ist aktuell also ver­gleichbar mit dem in Deutsch­land. »Aus­reißer sind die 3 Cent pro Liter in Vene­zuela«, einem »sozia­lis­ti­schen« Armen­haus in der Welt««, schreibt Thomas Becker und ergänzt, dass dies »welt­weit [die] größten Ölre­serven hat. Alle diese Länder haben auch andere Wege als wir, Staats­ein­nahmen zu gene­rieren.«

Laut Sta­tista ent­wi­ckelte sich der durch­schnitt­liche Preis für einen Liter Super­benzin in Deutsch­land für den Zeit­raum von Februar 2021 bis Februar 2022 wie folgt (siehe hier):

Statistik: Durchschnittlicher Preis für einen Liter Superbenzin in Deutschland von Februar 2021 bis Februar 2022 (in Cent) | Statista
Mehr Sta­tis­tiken finden Sie bei Sta­tista

Der durch­schnitt­liche Preis für einen Liter Diesel ent­wi­ckelte sich laut Sta­tista in Deutsch­land für den Zeit­raum von Februar 2021 bis Februar 2022 wie folgt (siehe hier):

Statistik: Durchschnittlicher Preis für einen Liter Diesel in Deutschland in den Monaten Februar 2021 bis Februar 2022 (in Cent) | Statista
Mehr Sta­tis­tiken finden Sie bei Sta­tista

Bereits im Dezember 2021 näherten sich die Preise für Diesel und Benzin an. So lag der Preis für Diesel bei ca. 154,00 Cent je Liter und für Benzin bei ca. 166,96 Cent je Liter (plus 12,96 Cent). 

Im Januar 2022 mussten für Diesel bereits ca. 160,09 Cent je Liter gezahlt werden, für Benzin waren es ca. 172,12 Cent je Liter (plus 12,03 Cent). 

Im Februar 2021 lag der Preis­ab­stand noch bei 15,84 Cent. Diesel kos­tete durch­schnitt­lich 128,12 Cent je Liter, Benzin 143,96 je Liter.

Die Preise für Diesel und Benzin haben also nach­weis­lich schon länger Kurs nach oben auf­ge­nommen und sich immer weiter ange­nä­hert. Die all­ge­meine Kos­ten­ex­plo­sion ist nur durch den aktu­ellen Peak mehr ins Bewusst­sein der Men­schen gerückt, ange­sichts der Sorge, auf­grund wei­terer Kri­te­rien, zukünftig erschwert und dann nur zu über­höhten Ener­gie­preisen Sprit und Öl ein­kaufen zu können. Fest­zu­halten an dieser Stelle ist, dass Groß­bri­tan­nien und ins­be­son­dere die USA gerne Sank­tionen for­dern, sie selbst aber von vielen Sank­tionen Abstand nehmen, um ihre hei­mi­sche Wirt­schaft nicht abzuwürgen.

Extrem hohe Steu­er­an­teile und »hams­tern« machen Sprit teuer

Wofür ins­be­son­dere auch in Deutsch­land hohe Kosten beim Sprit­preis ursäch­lich sind, können Sie mit­hilfe des Ben­zin­preis-Bots auf Twitter tages­ak­tuell für Diesel, Super und E10 in Erfah­rung bringen. Der Ben­zin­preis-Bot berechnet für Diesel, Super und E10 die durch­schnitt­li­chen Kosten vor und nach Steuern, sodass erkennbar ist, wie viel Steuern durch den Staat erhoben werden.

Jedem sollte hierbei bewusst sein, dass der Staat kräftig »mit­ver­dient«, wenn die Sprit­preise steigen. Trotz dieser hohen Steu­er­an­teile, durch die der Staat der­zeitig wei­tere Ein­nahmen genieren kann (dies gilt auch für die dadurch teurer wer­denden Lebens­mittel), hat sich die Ampel­re­gie­rung gegen eine Absen­kung der Steuern ausgesprochen.

DatumDieselAnteil Steuern in %SuperAnteil Steuern in %E10Anteil Steuern in %
14.03.20221,20 €51,720,99 €43,420,96 €43,24
14.03.20222,32 €2,28 €2,22 €
15.03.20221,19 €51,520,98 €43,170,96 €43,44
15.03.20222,31 €2,27 €2,21 €
© 2022 Cri­tical News — Preise vor und nach Steuern und Abgaben für Diesel, Super und E10

Der Gesamt­preis für Sprit setzt sich anteilig zu ca. 47 % aus Steuern und Abgaben (19 % MWSt, Energie- und Mine­ral­öl­steuer (Öko­steuer), Erd­öl­be­vor­ra­tungs­ver­band (EBV)), zu ca. 47 % aus Wareneinstand/Produktpreis und nur zu 6 % aus Kosten für Ver­trieb, Trans­port oder Tank­stel­len­pacht zusammen. Ein Rechen­bei­spiel und wei­tere Infor­ma­tionen zur Sta­tistik finden Sie auf Sta­tista.

Seit Januar 2022 sind zudem »im Rahmen des Ener­gie­um­baus auf Grund­lage des Brenn­stoff­emis­si­ons­han­dels­ge­setzes rund ein­ein­halb Cent je Liter Sprit hin­zu­ge­kommen«. Einen der­ar­tigen Auf­schlag »… habe es nicht zum ersten Mal gegeben …«, schreibt Thomas Becker und ergänzt: »… es wird auch nicht der letzte gewesen sein«. Er erklärt dies in seinem Artikel wie folgt:

Hin­ter­grund: 2021 star­tete der Emis­si­ons­handel für Brenn­stoffe mit einem fixen CO₂-Preis von 25 Euro pro Tonne, seit Januar 2022 liegt er bei 30 Euro, bis 2025 sollen es schritt­weise 55 Euro je Tonne CO₂ werden.

Thomas Becker, »Warum ist der Liter Diesel plötz­lich teuerer als Benzin E10?«, MDR-Thü­ringen, 09.03.2022 19:57 Uhr, https://​www​.mdr​.de/​n​a​c​h​r​i​c​h​t​e​n​/​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​/​p​o​l​i​t​i​k​/​r​e​d​a​k​t​e​u​r​-​d​i​e​s​e​l​-​p​r​e​i​s​-​t​e​u​r​e​r​-​a​l​s​-​b​e​n​z​i​n​-​1​0​2​.​h​tml

Ein großer Anteil an Steuern und Abgaben (MWSt., Öko­steuer, Ener­gie­steuer) sind also poli­tisch gewollt und werden oft an der Lebens­wirk­lich­keit vor­bei­geplant (siehe Min­dest­lohn­ver­diener, Hartz IV).

Mit­hilfe des fol­genden Dia­gramms wird anschau­lich, wie sich die Steuern auf die Grund­kosten aus­wirken. Die blaue Linie im nach­fol­genden Dia­gramm gibt den Preis ohne Steuern an. Die gelbe, rote und lila-far­bigen Linien sind die End­preise für Diesel, Super und E10. Der Abstand der Punkte der blauen Linie zwi­schen den jewei­ligen Punkten der gelben, roten und lila-far­bigen Linien ent­spricht dem Anteil Steuern.

© 2022 Cri­tical News — Sprit­preis mit und ohne Steuérn

Hoher Bedarf wegen leerer Tanks?

Natür­lich wird der Preis auch durch eine erhöhte Nach­frage bestimmt. Laut dem Bei­trag von Thomas Becker von MDR-Thü­ringen hätten viele Men­schen Heizöl »gebun­kert«. Er schreibt:

»Wenn uns die Tat­sache stört, dass Diesel jetzt teurer ist als Benzin, müssen wir auf­hören, Heizöl zu bun­kern, das ist näm­lich aktuell die Ursache für diese Ver­wer­fung. Angebot und Nach­frage dik­tieren auch hier den Preis. Und Heizöl ist letzt­lich eben ein­ge­färbter Diesel.«

Thomas Becker, MDR-Thü­ringen, https://​www​.mdr​.de/​n​a​c​h​r​i​c​h​t​e​n​/​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​/​p​o​l​i​t​i​k​/​r​e​d​a​k​t​e​u​r​-​d​i​e​s​e​l​-​p​r​e​i​s​-​t​e​u​r​e​r​-​a​l​s​-​b​e​n​z​i​n​-​1​0​2​.​h​tml

Hier stellt sich die berech­tigte Frage, warum Deutsch­land offenbar weder volle Gas­tanks noch Öltanks betreibt, also wirt­schaft­lich bedacht Tief­preise dazu nutzt, diese stets auf einem hohen Niveau zu befüllen.

In Kiel befindet sich das Mari­ne­stütz­punkt­kom­mando Kiel, gab es hier z. B. einen höheren Bedarf?

Lie­fer­ketten und Jobs durch zu hohe Sprit­preise gefährdet

Der durch­schnitt­liche Kraft­stoff­ver­brauch (siehe Sta­tista hier) der in Deutsch­land zuge­las­senen Pkw betrug im Jahr 2020 für Diesel 7,0 Liter bzw. für Benzin 7,7 Liter pro 100 km. Für unter­schied­liche Weg­stre­cken von 25 bis 100 km würden sich somit bei einem Die­sel­preis von 2,26 €, bei einem Preis von 2,21 € für Super und bei einem Preis von 2,15 € für E10 fol­gende Kosten je Arbeitstag ergeben (ohne Kosten für Ver­schleiß und Wartung):

StreckeDieselSuperE10
5 km0,79 €0,87 €0,85 €
10 km1,58 €1,74 €1,70 €
25 km3,96 €4,35 €4,25 €
50 km7,91 €8,70 €8,51 €
75 km11,87 €13,05 €12,76 €
100 km15,82 €17,40 €17,02 €
© 2022 Cri­tical News — Kosten je Strecke je nach Treibstoffart

Viele Arbeit­nehmer ver­dienen ledig­lich den gesetz­li­chen Min­dest­lohn. Dieser beträgt aktuell 9,82 € pro Stunde. Der gesetz­liche Min­dest­lohn wurde am 01. Januar 2015 ein­ge­führt, um sicher­zu­stellen, dass er zu einem Min­dest­schutz der Arbeit­nehmer und Arbeit­neh­me­rinnen bei­trägt, faire Wett­be­werbs­be­din­gungen ermög­licht und die Beschäf­ti­gung nicht gefährdet, vor allem für Arbeit­neh­mende im Nied­rig­lohn­sektor. Je nach Arbeits­zeit erhalten Arbeit­nehmer und Arbeit­neh­me­rinnen pro Tag z. B. fol­genden Brutto-Arbeitslohn:

Arbeits­lohn pro StundeArbeit­stunden pro TagArbeits­lohn in €
9,82 €2,5 / 5,0 / 8,024,55 / 49,10 / 78,56
12,50 €2,5 / 5,0 / 8,031,25 / 62,50 / 100,00
15,00 €2,5 / 5,0 / 8,037,50 / 75,00 / 120,00
17,50 €2,5 / 5,0 / 8,043,75 / 87,50 / 140,00
20,00 €2,5 / 5,0 / 8,050,00 / 100,00 / 160,00
© 2022 Cri­tical News — Arbeits­lohn je nach Arbeits­zeit pro Tag

Je nach Arbeits­ver­trag mit Min­dest­lohn (Voll­zeit, Teil­zeit, Mini­jobber) und Arbeitsweg können der­zeit Kosten in Höhe von 5,5 bis zu 17,7 % eines Brutto-Arbeits­lohns bei einer Weg­strecke von 25 km für Fahrt­kosten anfallen. Bei einer Weg­strecke von 50 km wären es Kosten in Höhe von 11,1 bis 35,4 %, bei 100 km wären es sogar Kosten in Bereich von 22,2 bis 70,8 % des Brutto-Arbeits­lohns. Bitte beachten Sie, dass in der obigen Tabelle noch keine Abzüge für Kran­ken­kasse, Pfle­ge­kasse, Ren­ten­kasse, Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung und sons­tige steu­er­liche Abzüge ihre Berück­sich­ti­gung gefunden haben.

Ange­sichts oft feh­lender Anbin­dungen im länd­li­chen Bereich an öffent­liche Ver­kehrs­mittel kann dies dazu führen, dass man sich das Arbeiten als Mini­jobber oder Teil­zeit­kraft auf­grund der hohen Kosten schlicht nicht mehr leisten kann. Offenbar ist vielen nicht auf­ge­fallen, dass ins­be­son­dere die Zer­stö­rung des regu­lären Arbeits­marktes zu vielen pre­kären Arbeits­ver­hält­nissen geführt hat, für die den­noch eine Fahrt zur und von der Arbeit erfor­der­lich ist. 

Ein Leser kom­men­tiert Thomas Becker Bei­trag »Warum ist der Liter Diesel plötz­lich teurer als Benzin E10?« beim MRD-Thü­ringen wie folgt:

»Mit Ent­setzen habe ich diesen Kom­mentar gelesen. Für mich als Pendler, der jedem Morgen um Uhr 5.00 los­fährt, um eine Stunde später in der Arbeit zu sein, ist dieser Kom­mentar blanker Hohn. Leider lebe ich mit meiner Familie länd­lich, ohne jeg­liche Bus- oder Zug­an­bin­dung. Ich zahle beim Tanken jetzt ca. EUR 40 mehr als zuvor.«

Erleben wir nun wieder eine Renais­sance hin zu Voll­zeit­stellen bzw. Stellen, bei denen nur an 4 Tagen Voll­zeit oder nur 3 von 4 Wochen pro Monat gear­beitet wird, um z. B. auch Kosten für An- und Abfahrten redu­zieren zu können? Wei­tere Kom­men­tare unter dem benannten Artikel lassen dies mög­lich erscheinen. Der »gelbe Schein« wird sicher­lich nicht zur Lösung der Pro­bleme bei­tragen, wie dies einige für sich über­legt haben, um den Kos­ten­fallen ent­gehen zu können.

Leere Regale bald überall?

Die gelb-grün-rote Ampel wird sich zeitnah der von ihr geschaf­fenen Pro­bleme stellen müssen, siehe hier), denn die hohen Sprit­kosten führen ins­be­son­dere auch zu höheren Lebens­mit­tel­kosten und aktuell zu erheb­li­chen Pro­blemen bei den Lie­fer­ketten, sodass sogar Ver­sor­gungs­eng­pässe befürchtet werden.

Bild­quelle: Tele­gram, https://t.me/DieWahrheitundnurdieWahrheit/58410

So berich­tete »Der Westen« kürz­lich von der Demons­tra­tion von ca. 100 LKW-Fah­rern, siehe hier. So schreibt sie:

»Für viele Lkw-Fahrer ist der Die­sel­preis fast unbe­zahlbar gewurden. In Köln haben am Samstag mehr als 100 Brummi-Fahrer ihren Unmut über die stei­genden Sprit­preise zum Aus­druck gebracht.

Mit Ban­nern wie „Stoppt die Tank-Abzocke“ oder „Kann nicht schneller, Diesel zu teuer“ pro­tes­tierten die Brummi-Fahrer gegen den aktu­ellen Die­sel­preis

Die­sel­preis: Lkw-Fahrer in NRW pro­tes­tieren – Experte fürchtet „schlimmste Ver­sor­gungs­krise“, 13.03.2022, https://​www​.der​westen​.de/​r​e​g​i​o​n​/​s​p​r​i​t​p​r​e​i​s​-​b​e​n​z​i​n​-​d​i​e​s​e​l​-​g​a​s​-​l​k​w​-​f​a​h​r​e​r​-​t​a​n​k​e​n​-​p​r​o​t​e​s​t​-​n​r​w​-​k​o​e​l​n​-​s​t​a​u​-​a​4​-​s​p​a​r​e​n​-​t​r​i​c​k​-​s​t​r​e​i​k​-​d​e​m​o​-​i​d​2​3​4​7​9​6​9​6​9​.​h​tml

Leider ist es nicht das erste Mal, dass ins­be­son­dere Poli­tiker der Partei »Bündnis / Die Grünen« durch eine gewisse Rea­li­täts­ferne ent­spre­chende Reak­tionen von Prak­ti­kern her­aus­for­dern. Der­weil Paula Piechotta (seit dem 26. Oktober 2021 für die Grünen Mit­glied des Deut­schen Bun­des­tages) sich mit »Zweit- & Dritt­wagen« auf­hält, die sicher­lich nicht zur glei­chen Zeit vom glei­chen Fahrer gelenkt werden können, bringt LKW-Spe­di­teur Ralf H. es auf den Punkt: »Wir fahren bei diesen Preisen minus ein!« und kün­digt einen Streik der LKW-Fahrer ab Mitt­woch an.

Twitter, 14.03.2022, https://​twitter​.com/​R​a​l​f​H​8​5​6​2​1​3​2​3​/​s​t​a​t​u​s​/​1​5​0​3​4​4​4​2​5​2​7​8​8​9​4​0​8​0​5​?​s​=​2​0​&​t​=​g​5​y​h​C​e​G​3​r​c​4​0​m​0​V​1​3​f​Y​ZEg

»Ein Sat­telzug ver­braucht z. B. 32 l je 100 km«, erklärt ein LKW-Fahrer in einem Inter­view. Ein LKW-Fahrer legt am Tag meist »400 bis 500 km täg­lich« zurück. Aktuell fallen bei einem Die­sel­preis von ca. 2,31 € je Liter bei 400 bis 500 km Weg­strecke also zwi­schen 295,68 € und 369,60 € an Sprit­kosten an. In einem Inter­view erklärt dieser LKW-Fahrer: 

»Wir müssen im Schnitt alle zwei Tage bei­tanken. Da reden wir von ca. 500 € alle zwei Tage. Wir haben also eine ordent­liche Mehr­be­las­tung, und wir müssen jetzt etwas tun, sonst wissen wir nicht mehr, was wir machen sollen. Es sind schon mitt­ler­weile viele Kol­legen, die wollen ab Montag ihr Auto stehen lassen, weil sie keine Kohle mehr haben. Und ich möchte das mit aller Macht ver­hin­dern, dass Klein­be­triebe kaputt­gehen. Das kann nicht sein.«

Der LKW-Fahrer ergänzt: 

»Du hast im Schnitt 200 l, die du am Tag ver­brauchst. 200 Liter ist der Ver­brauch, den wir haben. Rechne das mal auf eine Woche. Das sind 1.000 Liter. Mit 2,32 € reden wir bei einem Auto bei 1.000 Litern von 2.400 € für Diesel. Wir bekommen aber nur 3.500 € in einer Woche viel­leicht an Umsatz. So, da musst du den Fahrer abrechnen. Du musst das Auto abrechnen. Was bleibt für uns noch über? Nichts. Ich habe letztes Jahr noch für 1,30 getankt. Jetzt sind wir bei 2,30. 1 €. Mit wel­cher Berech­ti­gung? Es gibt keine Berech­ti­gung, immer weiter die Preise anzu­heben. Gibt es nicht. Das kann mir keiner erzählen.«

Die der­zei­tige Preis­ex­plo­sion für Diesel und Benzin, aber auch für Miete und Lebens­mittel (Teue­rung auf­grund höherer Ener­gie­kosten) und sons­tige Güter, wird also zuneh­mend für Arbeit­nehmer und Selbst­stän­dige zu einem Pro­blem, für etliche sogar Exis­tenz bedro­hend. Der gesetz­liche Min­dest­lohn stellt zudem keinen Min­dest­schutz mehr dar.

Werden Steuern für Sprit wie in anderen Län­dern gesenkt?

Polen hat tem­porär den Mehr­wert­steu­er­satz auf Benzin und Diesel in Polen von 23 % auf 8 % gesenkt, »was einer Ersparnis von bis zu 20 Cent pro Liter gleich­kommt. In Deutsch­land wurden Steu­er­erleich­te­rungen für Kraft­stoffe Anfang Februar 2022 von FDP und Grünen abge­lehnt«, berichtet rbb24.

Fazit: Die Kraft­stoff­preise erreichten bereits vor den Sank­tionen gegen Russ­land immer wieder Höchst­werte. Einige euro­päi­sche Länder haben steu­er­po­li­ti­sche Maß­nahmen ergriffen, um ins­be­son­dere ärmere Men­schen in ihrem Land zu ent­lasten und der überall gras­sie­renden Infla­tion ent­ge­gen­zu­wirken. Bun­des­wirt­schafts­mi­nister Robert Habeck (Grüne) über­legt, evtl. Fami­lien mit Kin­dern ent­lasten zu wollen. Damit wird armen Fami­lien mit bzw. ohne voll­jäh­rigen Kin­dern aber nicht geholfen, wenn nur eine Gruppe der Betrof­fenen her­aus­ge­griffen wird. Nachdem bereits die Corona-Maß­nahmen zu Eng­pässen und Stö­rungen bei den Lie­fer­ketten geführt haben, muss auf­grund der hohen Sprit­preise mit wei­teren mas­siven Stö­rungen gerechnet werden.

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